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Jahreszeiten

Unser Klima ist gerade im Begriff, sich deutlich zu verändern, so scheint es jedenfalls. Aus heiß wird glühend heiß, aus kalt wird eiskalt, aus Trockenheit wird Dürre, aus Regen wird Starkregen und ein Gewitter ohne Hagel wird immer seltener- wir alle erleben, dass sich extreme Wetterlagen häufen und sich auch die Dauer der Wetterperioden zu verlängern scheint.

Daneben verändern sich die Urlaubsgewohnheiten durch Terrorangst, Umweltüberlegungen und besagte Klimaänderungen. Die Zahlen der Übernachtungen auf Campingplätzen schießen in die Höhe, die Zulassungszahlen von Reisemobilen kennen nur noch den Aufwärtstrend und die eigene Heimat, Deutschland, klettert immer weiter in der Gunst der Urlauber, auch der Wohnmobilisten.

All das hat natürlich auch Auswirkungen auf unsere Überlegungen, wann, unter welchen Voraussetzungen und wohin wir mit unserem fahrbaren Hotelzimmer auf Reisen gehen. Und natürlich, wie es ausgestattet sein soll. Wer vor 20 Jahren mit dem Reisemobil auf Tour ging, hatte relativ sichere Eckwerte: in Deutschland haben wir gemäßigte Temperaturen und selbst im Sommer ein gewisses Regenrisiko. In Südeuropa ist es trocken und heiß, im Norden fast immer kalt. Das ändert sich gerade und deshalb wollen wir einmal näher betrachten, welche Auswirkungen das auf verschiedene Bereiche des mobilen Reisens hat.

Wintertauglichkeit, Vollisolierung, Klimaanlage, all diese Begriffe spielten vor Jahren eine noch eher untergeordnete Rolle im Vokabular des fahrenden Volkes – ok, mal abgesehen von hartgesottenen Wintercampern oder expeditionshungrigen Fernreisenden. Geht man heute durch die Reihen der Fahrzeuge z.B. bei einer Messe oder einem großen Händler, stellt man fest, dass die eingangs erwähnten Ausstattungsmerkmale schon fast zum Standard geworden sind. Es stellt sich die Frage: Braucht man das eigentlich alles? Schauen wir mal.

Beginnen wir einfach mal mit einem durchschnittlichen und häufig vorkommenden Reisemobil-Urlaubertyp. Sein Fahrzeug hat eine Saisonzulassung von März bis Oktober, er bevorzugt Deutschland als Reiseland, fährt aber auch gelegentlich ins angrenzende Ausland – Frankreich, die Beneluxländer oder Dänemark sind seine Favoriten. Hätten wir vor Jahren, wie wahrscheinlich die Meisten, eine besondere Isolierung oder eine Klimaanlage für völlig unnötig gehalten, sieht das heute schon etwas anders aus.

Unser Freund, klassisch gerne auch als Sommercamper bezeichnet, wird sich selbst in Ländern der sogenannten gemäßigten Klimazone wundern, wie oft es inzwischen selbst im April oder Mai noch reichlich Schnee und Nachtfröste gibt, zumal wenn man sich in höhergelegenen Regionen aufhält. Wer da einen ungeschützten Frisch- oder Grauwassertank hat, kann unter Umständen böse Überraschungen erleben.

Und auch der Sommer bringt neuerdings in unseren Breitengraden immer neue Hitzerekorde hervor. Über 40 Grad in Deutschland, selbst in Skandinavien oft über 30 Grad – was vor Jahren noch undenkbar war, scheint heute Normalität zu werden. Man muss inzwischen also tatsächlich neu über die Ausstattung von Camping-Fahrzeugen nachdenken, will man nicht wegen falscher oder fehlender Ausrüstung möglicherweise einen Teil seiner Urlaubsfreude durch zu große Kälte oder Hitze riskieren.

Ein anderes Beispiel: ein junges Paar, immer sportlich unterwegs, gerne und vorwiegend im Süden Europas. Wenn die beiden einen geschützten Unterschlupf für den Winter haben, müssen sie sich über eine Vollisolierung keine Gedanken machen. Wintertauglichkeit? Wozu? Allerdings sollte das Paar mit dem schnittigen Kastenwagen doch ein paar Gedanken an eine vernünftige Klimatisierung verschwenden. Wir haben kürzlich in Spanien Nächte (!) mit fast 40 Grad erlebt – das ist kein Spaß mehr und an Schlafen braucht man gar nicht erst zu denken, wenn man das Fahrzeug nicht irgendwie runterkühlen kann.

Apropos runterkühlen: Verwechselt nicht die Fahrzeug-Klimatisierung mit einer Wohnraum-Klimaanlage. Erstgenannte funktioniert nur bei laufendem Motor und erreicht auch nur einen begrenztem Raum im Fahrerhaus. Ein ganzes Reisemobil kann man damit nicht kühlen und schon gar nicht bei abgestelltem Motor. Für die Wohhnraumkühlung benötigt Ihr ein eigenes Aggregat, beim Nachrüsten oft im Tausch gegen ein Dachfenster.

Mit diesen zwei Beispielen möchten wir Euch anregen, Euch eigene Gedanken zu machen, was Ihr mit Eurem Reisemobil, gekauft oder gemietet, vorhabt. Überlegt möglichst realistisch, wann, wo und mit wieviel Komfort oder Kompromissen Ihr Eure rollende Wohnung nutzen wollt. Achtet dabei neben jahrezeitlichen Einflüssen auch auf weitere Gegebenheiten, die Eure Reisewünsche beeinflussen könnten. Dazu nochmal ein kleines Beispiel:

Wir waren vor kurzem in der Normandie (Nord-Frankreich) unterwegs und haben als erfahrene Wohnmobilisten natürlich alles richtig gemacht (hahaha): Vorsaison außerhalb der französischen Schulferien (also erhofft leere Stellplätze), nationale Feiertage vermieden (D-Day-Jubiläum mit überfüllten Campingplätzen), Wetterbedingungen beachtet (gemäßigt sonnig), angepasste Kleidung mitgenommen (Zwiebelmethode – vom luftigen Shirt mit Spagettiträgern für den Tag bis zum dicken Fleece-Sweater und Regenjacke für alle Fälle) und einiges mehr.

Das Ergebnis: In ganz Europa gibt es Vor-, Nach-, Neben- und Hauptsaison – in der Normandie nur Saison (Juli/August) oder nicht! Wir gehörten zur Kategorie „nicht“: Städte und Dörfer menschenleer, Supermärkte und Restaurants abends geschlossen, Campingplätze leer (wie schön), aber ohne jeglichen Service (Pool, Sportanlagen, Imbiss, Restaurant und Bäckerei geschlossen). Dazu: ungewöhnlich viele Gewitter und eiskalte Nächte, im Gegensatz dazu einige Tage mit fast 40 Grad (im Juni !) – wir sind auf einen schweineteuren Campingplatz mit Poollandschaft geflohen…

Was wollen wir Euch damit sagen? Jahreszeiten sind völlig egal? Planung bringt nichts? Ganz im Gegenteil!

Ja, wer gewissenhafte Vorbereitung betreibt, kann immer noch einige Überraschungen erleben, in die eine oder andere Richtung. Das soll trotzdem nicht heißen, dass man sich nicht ordentlich mit dem Kauf oder der Miete eines Reisemobils beschäftigen sollte. Je akribischer man dabei vorgeht, desto mehr kann man böse Überraschungen vermeiden – wenn auch nicht immer vollständig. Und letztlich: Wohnmobil-Urlaub ist und bleibt, bei allem Mainstream, immer noch ein kleines Stück Abenteuer. Glücklich, wer sich darauf einlässt!

P.S.: Nein, keiner hatte uns gesagt, dass jedes Jahr am 21. Juni in ganz Frankreich, ja selbst in kleinen Dörfern, die „Fête de la musique“ stattfindet (ein Musikfest zur Sommersonnenwende). Und wir waren gerade zum Einkaufen in einer dieser elenden Großstädte gelandet (Cherbourg), die wir üblicherweise immer links liegen lassen.

Aber was für ein außergewöhnlich schöner Abend – mit Live-Musik, verschiedenen Künstlern, pulsierendem Nachtleben und vielen freundlichen Franzosen. Dazu ein toller Stellplatz am Rand der Altstadt (also doch nicht so elend, wie befürchtet) für exakt 0,00€. Genau das ist Reisemobilurlaub, wie wir ihn lieben – gut vorbereitet, aber immer offen für spontane Erlebnisse.