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Stromversorgung

Das Basiswissen über Stromnetze, Kabel, Stecker etc. im Reisemobil haben wir ja bereits auf der Seite > Strom besprochen. Hier wollen wir nun auf den Verbrauch, das Laden der Batterien und alles, was damit zusammenhängt, eingehen. Das geht automatisch mit ein wenig Rechnerei einher, aber wir wollen versuchen, es so einfach wie möglich zu halten.

Was verbraucht denn so ein Reisemobil?

Die schlechte Nachricht zuerst: einen Wert, der für alle Reisemobil-Arten und Verwendungszwecke gilt, können wir nicht angeben. Zu unterschiedlich sind die Ausstattungen der Fahrzeuge, die eingebauten Verbraucher, die individuellen Nutzungsgewohnheiten und die genutzte Zeit der einzelnen Komponenten des Stromnetzes. Um nun abschätzen zu können, wie oft wir an eine Landstrom-Steckdose müssen bzw. wieviel unsere Solaranlage oder die Lichtmaschine leisten müssen, um die Batterien wieder vollzuladen, benötigen wir einige Grundlagen.

Stromverbrauch – Berechnungsgrundlagen

Zum Themenkreis Strom gehören zunächst drei wichtige grundlegende Begriffe:

* Strom(stärke) hat die Maßeinheit Ampere (A)

* Spannung hat die Maßeinheit Volt (V)

* Leistung hat die Maßeinheit Watt (W)

Letztgenannte Leistung lässt sich berechnen, wenn man Strom (A) und Spannung (V) miteinander multipliziert (siehe Formel A unten). So ergibt sich für ein Gerät mit 5 Ampere (A) Stromaufnahme an einer 12 Volt (V) Steckdose eine Leistung von 60 Watt (W), weil 5A x 12V = 60W ergeben. Umgekehrt ergibt sich in der Praxis, dass ein Verbraucher, dessen Leistungsaufnahme mit 60 Watt angegeben ist, an einem 12-Volt-Netz eine Stromstärke von 5 Ampere haben muss (siehe Formel B), weil 60 (Watt) dividiert durch 12 (Volt) einen Wert von 5 (Ampere) ergibt. Die drei Umrechnungsformeln lauten also:

* Formel A: Leistung (Watt) = Strom (A) mal Spannung (V)

* Formel B: Strom(stärke) (Ampere) = Watt (W) dividiert durch Volt (V)

* Formel C: Spannung (Volt) = Watt (W) dividiert durch Ampere (A)

Die letzte Formel ist nur vollständigkeitshalber aufgeführt, beim Reisemobil sind ja die Spannungen vorgegeben (12V oder 230V). Um nun den Verbrauch zu berechnen, ist es wichtig zu wissen, wie lange ein Stromverbraucher genutzt wird. Logisch, denn je länger ich ein Gerät einschalte, desto mehr Strom verbraucht es. Hier kommt eine vierte Größe ins Spiel, nämlich der

* Verbrauch mit der Maßeinheit Amperestunden (Ah).

Sie gibt also den Verbrauch pro Zeiteinheit (h = 1 Stunde) an, also Ampere (A) pro Stunde (h). Prima, hier haben wir genau das, was uns eine Berechnung ermöglicht, wie hoch der Bedarf für unser Reisemobil einzuschätzen ist.

Lasst Euch sich nicht durch die gelegentlich immer noch verwendete Maßeinheit „Wattstunde“ (Wh) oder „Kilowattstunde“ (kWh) verwirren. Sie gehört nicht zum internationalen Einheitensystem, wird aber gerne z.B. auf Stromabrechnungen für Haushalte benutzt, dort meist als Kilowattstunden (1 kWh = 1.000 Wattstunden).

Stromverbrauch – die Berechnung

Gut, das waren nun viele Grundlagen, kommen wir zur Berechnung für unser Reisemobil. Wir wissen nun: um den Verbrauch zu berechnen, brauchen wir zwei bestimmte Werte, nämlich den Strom (A) und die Zeit (h). In der Praxis wissen wir oft zwei andere Werte: die Betriebsspannung, also ob wir mit 12V oder 230V arbeiten, und die am Verbraucher angegebene Watt-Zahl (z.B. die Angabe „Leistungsaufnahme“ bei Kühlschränken, Netzteilen, Glühbirnen etc.).

Nehmen wir als erstes Beispiel einmal einen CD-Player, der mit 12 Volt an unserem Bordnetz betrieben wird. Die auf dem Player angegebene Leistungsaufnahme lautet 30 Watt (W). Was verbraucht dieses Gerät denn nun, wie komme ich jetzt auf die Amperestunden? Hier hilft die oben aufgeführte Formel B weiter, wie wir aus der Angabe „30 Watt“ und unserem Bordnetz mit „12 Volt“ die Größe „Ampere“ berechnen können:

Strom(stärke) Ampere = Leistung (hier 30 Watt) dividiert durch Spannung (hier 12 Volt), also 30 : 12 = 2,5 Ampere. Wenn unsere Leuchte nun eine Stunde (h) benutzt wird, verbraucht sie 2,5 Amperestunden (Ah). Leuchtet sie nur eine halbe Stunde, sind es logischerweise nur die Hälfte, also 1,25 Ah (2,5Ah x 0,5h). Oder bei einer Leuchtdauer von 4 Stunden kommen wir auf das Vierfache, sprich 10 Ah (2,5Ah x 4h) – eigentlich einfach, oder?

Stromverbrauch in der Praxis

Sicher seid Ihr nun schon selbst darauf gekommen: um z.B. den Tagesverbrauch in Eurem Reisemobil zu berechnen, müsst Ihr eine Summe aus allen benutzten Verbrauchern und der jeweiligen Nutzungsdauer bilden. Da nicht jeder Verbraucher an jedem Tag gleich lange (oder überhaupt) genutzt wird, errechnet Ihr im Weiteren einen Durchschnittswert, also wenn Ihr z.B. ein Gerät nur zweimal pro Woche nutzen, berechnet Ihr 2/7 des entsprechenden Wertes, um den durchschnittlichen Tagesverbrauch zu erhalten.

Am besten geht das, indem Ihr eine Tabelle (z.B. Excel) erstellen, in der alle Geräte oder Einrichtungen mit dem jeweiligen Verbrauchswert und der Nutzungsdauer eingetragen werden. Wer es ganz genau wissen will, schreibt sich für einen gewissen Zeitraum (vielleicht 1 bis 2 Wochen) jeden Tag auf, welcher Verbraucher wie lange eingeschaltet war. Das könnte dann z.B. so aussehen:

Und wie oft muss ich nun nachladen?

Eigentlich könnte man nun anhand des Tagesverbrauchs und der Kapazität der Batterie(n) ganz einfach berechnen, wann bzw. wie oft das Reisemobil an die Steckdose muss. Eine simple Beispielrechnung: Der Tagesverbrauch beträgt rund 30 Ah, die Batterie ist mit 90 Ah angegeben, also kommen wir etwa 3 Tage mit dem Strom aus (90Ah Batterie : 30 Ah Tagesverbrauch = ca. 3 Tage). Eigentlich – wenn da nicht noch verschiedene Faktoren wären, die diese einfache Rechnung einschränken.

Reserven einkalkulieren!

Habt Ihr tatsächlich notiert, wieviele Minuten (oder Sekunden) Ihr täglich die Pumpe für die Toilettenspülung betätigt? Wie oft springt Euer Kühlschrank während der Fahrt an, um die gewünschte Temperatur zu halten? Habt Ihr bedacht, dass z.B. ein Wechselrichter immer eine Verlustleistung hat (ein Teil der mit ihm erzeugten Strommenge wird immer in Wärme verwandelt)? Wie lange erhitzt der Boiler tatsächlich Euer Wasser und wieviel Strom (nicht Gas) verbraucht er dabei? Wieviel habt Ihr verbraucht, um Euer Smartphone (Eure Taschenlampenbatterien, Euer Notebook, Euren Foto-Akku…) zu laden? Ist Eure Bordbatterie noch jung genug, um immer die volle Kapazität zu erreichen?

Die Liste der Fragen könnte noch ein ganzes Stück weitergehen. Wir möchten damit nur verdeutlichen: man kann einfach nicht alles auf Punkt und Komma kalkulieren. Selbst bei noch so genauer Analyse bleiben Faktoren wie z.B. die Umgebungstemperatur (Jahreszeiten), eine plötzliche Krankheit (erhöhter Beleuchtungs- und Heizungsbedarf durch Bettlägrigkeit), schlichte Vergesslichkeit (ups, eigentlich wollte ich den E-Bike-Akku nur zu einem Viertel aufladen…) und vieles mehr nicht wirklich vorhersehbar. Rechnet also niemals „auf Kante“, sondern kalkuliert immer eine deutliche Reserve für unerwarteten Mehrbedarf ein (wir empfehlen bis zu 30%).

Wie bei allen Batterien kann es auch bei den Reisemobil-Akkus zu einer sogenannten Tiefentladung kommen, wenn über die angegebene Kapazität hinaus Strom entnommen wurde (z.B. versehentlich durch ein vergessenes Ladegerät o.ä.). Die Batterie ist dann i.d.R. zerstört und kann nicht mehr aufgeladen werden. Eine solche Panne solltet Ihr unbedingt vermeiden, indem Ihr den Ladezustand immer wieder mal kontrolliert (z.B. am Bedienpanel).

Wie lange dauert das Vollladen?

Hier könnten wir nun eine komplizierte Abhandlung über die Arten der Aufladung (Landstrom, Lichtmaschine, Solarpanel etc. etc.), über Ladegeräte, Batterietypen (Säure, Gel, AGM), Ladekennlinien und vieles mehr anfügen. Wir denken, die vorhergehenden Informationen sind für den durchschnittlichen Reisemobil-Nutzer schon verwirrend genug und ausführliche Informationen zu diesem Themenfeld findet man ausreichend im Netz oder in entsprechender Fachliteratur. Auch hier gilt: Der Ladezeitraum ist von sehr vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Von daher möchten wir an dieser Stelle nur einen einzigen, sehr profanen, aber dennoch praxistauglichen Hinweis geben: beobachtet über einen angemessenen Zeitraum einfach die Anzeigen an Eurem Bedienpanel. Wenn dies nur ungenaue Werte hergibt, besorgt Euch für wenige Euro ein kleines Messgerät, mit dessen Hilfe Ihr die Bordspannung durch Einstecken in eine beliebige 12V-Steckdoese überprüfen könnt (siehe > Zubehör). Im Laufe der Zeit werdet Ihr ein Gefühl dafür bekommen, wie lange es braucht, bis Eure Batterien wieder voll und einsatzbereit sind. Und auch der Verbrauch lässt sich auf diese Weise ganz gut beobachten und mit der Zeit einschätzen.

Ganz grob als Anhaltspunkt lässt sich wohl sagen, dass einige Stunden am Landstrom, eine längere Autobahnfahrt oder einige sonnenreiche Stunden bei Solaranlagen in der Regel zum Vollladen ausreichen. Wer mag, kann darüber hinaus das Thema „Strom im Reisemobil“ zur persönlichen Wissenschaft erheben – wer stattdessen lieber entspannten Urlaub machen möchte, verlässt sich nach einer Eingewöhnungszeit einfach auf sein Gefühl und seine selbst gemachten Erfahrungen. Damit sind wir persönlich bisher recht gut gefahren.

Wenn wirklich mal gar nichts mehr geht und selbst das Reisemobil nicht mehr anspringt, helfen ein Satz Starthilfekabel und eine freundliche Anfrage beim Stellplatznachbarn bestimmt weiter. Und wenn Ihr ganz alleine steht, ist das (hoffentlich immer geladene!) Smartphone eine sichere letzte Rettungsmöglichkeit.